China 2019 – Tag 11 (05.02.19)

Heute schlafen wir sehr lange aus, da es gestern Nacht doch recht spät wurde. Zum Frühstück gibt es traditionelle Reisteigbällchen gefüllt mit Marmelade oder so. Lecker!

Am Nachmittag fahren wir zu einer berühmten Gasse in Beijing, wo es wie immer viele Stände mit Essen und etliche Läden für Schmuck und Dekogegenstände gibt.

Tatsächlich sehe ich in China, wenn überhaupt, sehr selten eine dieser typischen Touristenfallen, dazu später aber mehr.
Am Abend sind wir wieder bei der Familie zum Essen eingeladen (warum haben wir noch gleich ein Apartment mit Küche gemietet? 😀 ).


Nach dem Essen fahren wir mit dem Onkel eine große Runde durch Beijing zum Sightseeing und besuchen eine sehr berühmte Shoppingstraße. So many People again…

China 2019 – Tag 10 (04.02.19)

Wir lassen den Tag sehr entspannt angehen und starten erst gegen Nachmittag in die Stadt! Als erstes gehen wir zur Bank und holen etwas Geld für die traditionellen red Pockets, die roten Umschläge mit Geld. Für Joans Oma legen wir je 2000 Yuan hinein. Außerdem bereitet meine Freundin noch für ihre Tanten und den Onkel Umschläge vor.

Ich darf nur für die Oma etwas geben, alles andere wäre unangemessen. Im Anschluss kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten für den Onkel ein, bevor wir zum traditionellen Abendessen bei der Familie meiner Freundin einkehren.

Ein opulentes Mahl am Abend des Spring festival!

Im Anschluss an das Abendessen findet eine alte Tradition in Andenken an die Verstorbenen statt. Ich bin sehr gerührt, als Joan mich einlädt, daran teilzunehmen.

Wir gehen in einen Park unweit des Hauses und dort markiert der Onkel mehrere Kreise, in denen mit Hilfe von Papier, kleine Feuer entfacht werden. Anschließend wird dort unter rezitieren eines Gebets, Spielgeld und Papiertücher, die Stoffe für Kleider repräsentieren verbrannt, um es so den Verstorbenen zu senden. Jedes entfachte Feuer steht für einen Familienbaum. Meine Freundin spendet für ihren Großvater und ihren verstorbenen Onkel. Auch ich werfe ein wenig Geld und Kleider ins Feuer und insgeheim frage ich mich, wie viele Feuer ich denn für meine Familienmitglieder, die bereits gegangen sind, entfachen müsste…
Auf dem Heimweg sehen wir weitere Feuer auf dem Gehweg brennen, die Menschen gehen einfach vor die Tür und machen ihr Feuer. Die Polizei und Feuerwehr fährt in kleinen Elektroautos zur Brandwache umher und greift ggf. ein. Tatsächlich sehen wir, wie zwei Polizisten sich einer Gruppe Menschen, die ein Feuer auf dem Gehweg entfachen, nähern. Statt einzugreifen, warten sie im Hintergrund und lassen die Leute gewähren. Als das Feuer wieder aus ist fahren sie weiter.

Auch Beijing ist sehr bunt bei Nacht!

Es war ein wunderschöner Abend. Da der Abend sehr der Familie und den Verstorbenen gewidmet ist, habe ich auch keine weiteren Bilder gemacht.

China 2019 – Tag 9 (03.02.19)

Heute ist es endlich soweit! Zum ersten Mal auf dieser Reise packe ich meine getreue Sony Alpha 99 nebst dem knackscharfen Minolta 28-135, sowie ein paar Ersatzakkus aus.

Es geht zur Great Wall of China! Wir starten sehr früh und treffen uns mit Joans Tante und Cousin vor dem Restaurant, wo wir gestern die lecker Peking Ente hatten. Von hier aus geht es mit dem Taxi zu einem Busdepot, von wo aus große Busse die Besucherscharen zur Mauer und wieder zurück bringen.

Dieses schöne alte Gebäude befindet sich direkt neben dem Busdepot.

Der Bus kostet für uns vier zusammen gerade einmal 48 Yuan und bringt uns in etwas über einer Stunde zur Mauer.

Dort angekommen heißt es erst einmal wieder Schlange stehen am Ticket Schalter. Es gibt Tickets mit und ohne Liftpass, der uns den halben Weg hoch und wieder runter bringt. Da ich nicht weiß, wie gut Joans Tante zu Fuß ist, entscheide ich mich für die Variante mit Liftpass (600 Yuan für alle zusammen).

Dies soll mit Ausnahme des Geschenks für die Oma am Abend des Spring Festival, der teuerste Einzelposten der Reise bleiben. Reisen in China muss also wirklich nicht teuer sein! Natürlich muss ich anfügen, dass die Familie meiner Freundin uns die ersten zwei Wochen abends fast immer bekocht hat, was in einem Restaurant natürlich auch noch mal zusätzlich Geld gekostet hätte. Aber die Restaurants sind auch wirklich nicht zu teuer!

Außerdem gibt es hier mehrere Bärengehege, in denen die Bären in Gruppen zusammenleben. Natürlich sind diese auf die Besucher konditioniert und machen allerlei Unsinn um etwas zum Fressen zu erhalten.

Der Lift erinnert an eine Mischung aus Achterbahn und Sommerrodelbahn!

Oben angekommen werden wir von einigen Arbeitern schnell aus unseren Bobs gezogen und erreichen nach einem kurzen Aufstieg dann endlich die Mauer!

Die Mauer ist ein Erlebnis für sich. So many people again! Die Chinesen schaffen es trotzdem immer irgendwie in riesigen Gruppen ineinander, umeinander und durcheinander zu laufen, ohne dass es wie man es sonst von solchen Pulks kennt, zu Rempeleien und Gezeter kommt.

Am Fuß der Mauer haben sich größere Gruppen von Katzen niedergelassen, die sich auf alles stürzen was dort „versehentlich“ herunterfällt.

Nur Mut wird belohnt! Hier hat jemand sogar etwas Trockenfutter mitgebracht.


Als wir von der Mauer zurückkommen gehen wir noch mit dem Onkel für das morgige Neujahrsfest einkaufen. Da wir außerdem noch ein paar Dinge benötigen und bei mir ein neuer Haarschnitt fällig ist, empfiehlt er uns einen Frisör, bevor er sich daran macht für uns zu kochen.

Als wir beim Frisör ankommen hat dieser jedoch schon geschlossen. Ein kurzer Anruf beim Onkel (er ist wirklich sehr, sehr nett und äußerst hilfsbereit!) und die Ladenbesitzer kommen noch einmal extra für uns vorbei und öffnen den Laden – der Hammer! Das Abendessen ist wie immer, sehr lecker!

China 2019 – Tag 8 (02.02.19)

Heute steht der Besuch des China National Museum auf dem Plan. Das Gebäude ist ähnlich wie das Museum in Shanghai gigantisch.

Ein krasser Unterschied zu Shanghai besteht in den deutlich schärferen Sicherheitsvorkehrungen. Wir werden gleich 3x kontrolliert, die Taschen geröntgt und am Ende sogar abgetastet, bevor wir in das Museum eingelassen werden. Da wir Wasser dabeihaben, werden wir sogar gebeten, einen Schluck davon zu trinken, um zu zeigen, dass es wirklich Wasser ist. Im Museum sehen wir uns einige Kunstausstellungen der chinesischen Geschichte an, es ist sehr interessant und nicht zu überlaufen.

Was mir in China immer wieder auffällt, ist die weit fortgeschrittene Elektrifizierung des Verkehrs. In Deutschland wird immer viel geredet – in China wird einfach mal gemacht!

Elektrofahrzeug der Stadtreinigung.


Nach Ende des Besuchs, bietet sich der Onkel an, uns mit dem Auto abzuholen. Abends wollen wir Peking Ente essen. Was in Deutschland üblicherweise einer 24-48h Vorbestellung bedarf, gibt es hier einfach im Restaurant. Mit einem kleinen Trick schaffe ich es, die Rechnung zu bezahlen um etwas zurückzugeben. Peking Ente kostet für vier Personen gerade einmal 300 Yuan. Die Peking Ente wird als Gericht in mehreren Gängen serviert. Leider habe ich es verpasst, dies weitergehend zu dokumentieren…

Der erste Gang der Peking Ente.

Auf dem Heimweg genießen wir noch ein wenig die Farben der Stadt. Beijing ist nicht so bunt wie Shanghai, aber trotzdem sehr sehenswert.

China 2019 – Tag 7 (01.02.19)

Wir nutzen den Tag erst einmal ausgiebig zum Entspannen in unserem Apartment.

Abends treffen wir die Oma, den Onkel, die Tante und den Cousin meiner Freundin und gehen später erneut Hot Pot essen.

Beijing am Abend.

Diesmal allerdings mit Profis (Onkel und Cousin). Abends fährt uns der Onkel sogar zu unserem Apartment, wirklich sehr nett! Die Oma meiner Freundin lebt wirklich in bescheidensten Verhältnissen und sieht mich zum ersten Mal. Trotzdem drückt sie mir einen traditionellen Umschlag mit Geld in die Hand. Dies abzulehnen ist selbstverständlich tabu. Abends schauen wir in den Umschlag und uns trifft fast der Schlag. Sie hat dort 1000 Yuan (130€) hineingelegt. Wahrscheinlich mehr, als sie in 3 Monaten für sich ausgibt. Ich bin zutiefst gerührt und wir entscheiden, ihr dies am Neujahrsfest zurückzugeben.

China 2019 – Tag 6 (31.01.19)

Wir nehmen den Highspeed Train nach Beijing und trotz, dass wir ca. 2h für die Fahrt zum Bahnhof eingeplant haben, schaffen wir es bei strömendem Regen nach der Fahrt in zwei verschiedenen Bussen gerade noch rechtzeitig ein Taxi zu erwischen, was uns an unser Ziel bringt. Meine Freundin ist ein wahres Genie, wenn es darum geht Dinge irgendwie gangbar zu machen. Mit dem Bus hätten wir das niemals in der Zeit geschafft. Die Fahrkarten waren bereits seit Wochen ausverkauft, umso fataler wäre es gewesen, wir wären zu spät gekommen.

Der Highspeed Train ist wirklich eine Nummer für sich. Innen ist es wie in einem Flugzeug, nur man hat mehr Beinfreiheit als in der Economy-Class. Wir haben zwei Plätze nebeneinander und so bringen wir die Zugfahrt damit zu, uns einen Film anzuschauen. Steckdosen für Laptops gibt es selbstverständlich an jedem Platz. Leider vergesse ich es tatsächlich, ein Foto aus dem Inneren des Zuges zu machen. Zwischendrin kommt eine Zugbegleiterin mit einem Service Wagen und eine weitere putzt während der Fahrt 2x den Flur durch.

In Beijing angekommen, holt uns der Vermieter unseres Apartments am Bahnhof ab und bringt uns zu eben Diesem. Als wir in den Hinterhof eintreten verschlägt es mir fast den Atem. In etwa so stelle ich mir eine verlassene Wohnsiedlung in der Nähe von Tschernobyl vor. Lauter verrostete Fahrräder liegen Seite an Seite im Innenhof. Im Treppenhaus wurde seit Jahren nicht mehr gewischt. 4. Stock und kein Aufzug…
Aber, die Haustür wird wie in China wohl üblich mit einem Elektromagneten zugehalten, der die Abmessungen eines Harry Potter Romans hat. Entriegelt wird über einen NFC Tag.
Die Tür des Apartments ist noch krasser. Gut 10cm dick und gleicht mit mehreren Zwei Euro Stück großen Sicherungsbolzen eher einer Tresortür. Tatsächlich ist es innen drin picobello sauber, als würde man in eine andere Welt treten.

Wenn ich an das Apartment zurückdenke bekomme ich tatsächlich etwas Heimweh. Es ist halt einfach „so“ in China. Im Innenhof steht ein zum Teil abgedecktes verrostetes Oldsmobil neben einem nagelneuen BMW. Im nächsten Hof stehen zwei neue Mercedes, daneben ein vergammeltes Lastenrad, mit dem irgendjemand seine Brötchen verdienen muss.

Trotzdem habe ich mich nirgendwo sicherer gefühlt als in diesem Viertel von Beijing.
Am Abend gehen wir noch kurz in ein Einkaufszentrum, ein paar Dinge einkaufen und zu Abend essen.

Heute gibt es HotPot, was mit dem europäischen Fondue verwandt ist – allerdings nicht so ungesund, da hier im Topf zwei verschiedene Suppen köcheln und man seine Zutaten darinnen gart. Hier esse ich auch zum ersten Mal Pansen, oder wie meine Freundin sagt: Kuh-Bauch. 😀


Ehrlich gesagt, ich mag Pansen nun. Wie ich später vom Onkel meiner Freundin erfahre, ist es wichtig, dass der Pansen braun und nicht weiß ist, da der Weiße gebleicht ist und ggf. noch Reste von diversen Chemikalien enthalten könnte.

Nach dem Restaurantbesuch gehen wir noch schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen. In China werden viele Produkte als „deutsch“ beworben, von denen ich in Deutschland noch nie gehört habe. Wie z.B. diese Milch, die richtig teuer ist!

China 2019 – Tag 5 (30.01.19)

Die Familie meiner Freundin zieht in ein anderes kleineres Apartment um, da wir morgen nach Beijing aufbrechen. Wir nutzen den Vormittag, um endlich das Museum zu besuchen. Das coole in China ist, dass alle Museen kostenlos sind! Ich habe heute nicht sehr viel fotografiert, da das stupide abfotografieren von Ausstellungsstücken ohne Kontext nichts für mich ist. Nachfolgend eine kleine Auswahl der Exponate im Shanghai Museum. Es war auf jeden Fall sehenswert, obgleich ich als nicht Chinese viele der Exponate nicht so richtig einschätzen / deuten konnte.

Im Anschluss fahren wir zu einem Großhandels Supermarkt, wo wir ein paar Früchte und Gemüse für das Abendessen kaufen. Großhandels Supermarkt in China bedeutet ein Areal von der Größe eines kleinen Binnenhafens mit etlichen Lagerhallen, in denen nach Kategorien sortiert, Lebensmittel aller Art verkauft werden.


Am Abend möchte ich auch ein typisch deutsches Gericht dem Abendessen beisteuern. Ich überlege lange, was das denn sein könnte. Es muss:

  1. schnell gehen.
  2. Einfach in einem Topf oder Wok herzustellen sein.
  3. Sich mit Stäbchen essen lassen.

Nach langem Hin und Her fällt die Entscheidung auf Bratkartoffeln. Also kaufen wir neben anderen Dingen noch ein paar Kartoffeln und Zwiebeln.

Der Rückweg zieht sich ziemlich, zudem liegt das neue Apartment in einem Wohnkomplex, den wir erst einmal finden müssen.
Mein Rucksack fühlt sich heute bleischwer an, auch die Einkäufe schleppen sich nicht leicht. Ich bin so froh, als wir das Apartment endlich erreichen und ich den schweren Kram ablegen kann.
Nach dem Abendessen heißt es Abschied nehmen von Joans Eltern und Schwester, sowie der Nichte. Die Kleine hat mich direkt in ihr Herz geschlossen und ich habe die letzten Tage vormittags und abends immer verstecken mit ihr gespielt. Müde machen wir uns auf den Rückweg in unser Apartment. Auf dem Weg stolpern wir über eine Gruppe Menschen, die sich zu Musik zusammengefunden haben. Einer schreibt mit einem Schwamm und Wasser Schriftzeichen auf den Boden.

Wir kaufen noch ein paar Kleinigkeiten für die morgige Zugfahrt und zu Hause angekommen packen wir unsere Koffer für morgen.

China 2019 – Tag 4 (29.01.19)

Zweiter Anlauf zum Museumsbesuch, vorher spazieren wir noch ein wenig durch Shanghai und ich kaufe mir in einem kleinen Laden noch einen neuen Gürtel.Außerdem kaufen wir noch einen zweiten für den Vater meiner Freundin.

Leider sind wir dann derart vom Hunger überwältigt, dass mich meine Freundin in ein super leckeres Nudelrestaurant entführt. Hier werden die Reisnudeln traditionell komplett selbst hergestellt. Die Reismühle, die den dünnflüssigen Teig produziert, ist sehr eindrucksvoll und bereitet vor aller Augen hinter eine Plexiglasscheibe kontinuierlichen frischen Teig zu.

Über dem ganzen Essen sind wir leider zu spät dran, denn ab 16:00 Uhr werden keine Besucher mehr in das Museum eingelassen. Also gehen wir noch ein wenig in die Stadt. Wir besuchen einen großen Buchladen, wo wir uns längere Zeit umschauen. In China ist es üblich, sich im Buchladen auch ruhig mal ein ganzes Buch reinzulesen und es dann nicht zu kaufen. Viele Leute sitzen irgendwo in einer Ecke und lesen. Wenn sie fertig sind, gehen sie wieder. Bücherei und Buchhandlung in einem. In Deutschland undenkbar.

Außerdem gehen wir noch kurz in die deutsche Botschaft in Shanghai. Dort wird jeden Mittwoch oder Donnerstag ein Film gezeigt. Wir schauen uns kurz um und machen dann in einem der gemütlichen Sessel in der Eingangshalle eine Pause. Wir müssen etwas warten bis es dunkel wird und dann geht es zu „The Bund“, der Uferpromenade von Shanghai.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch „kurz“ halt in einem Kleidergeschäft, wo ich mir eine neue Jacke gönne. Sie ist sehr dünn und leicht, aber dennoch warm. Mit Materialien kenne ich mich nicht so aus, aber sie ist wie ein Daunenschlafsack und lässt sich auch ebenso im mitgelieferten Beutel verstauen. Dieser Einkauf wird sich später als wirklich sinnvoll erweisen, denn ich werde diese Jacke auf der restlichen Reise fast ausschließlich tragen. Zudem tarnt sie mich ein wenig, sodass ich nicht immer direkt als „Wai Guo Ren“ (Ausländer) auffalle.
Die Skyline von Shanghai ist bei Nacht sehr eindrucksvoll beleuchtet, eine wahre Augenweide. Es sind derart viele Menschen versammelt, dass man den Eindruck gewinnt, es handelt sich um ein besonderes Ereignis, dabei ist es ein ganz normaler Abend.

Wir kehren spät heim, doch sind noch ganz satt vom Mittag, Joans Familie hat wieder gekocht und wir essen schnell noch zu Abend. Zu lecker!

China 2019 – Tag 3 (28.01.19)

Heute frühstücken wir lecker Porridge mit Süßkartoffeln!

Das Wetter ist heute leider nicht so gut. Es nieselt den ganzen Tag und ist auch nicht besonders warm. Eigentlich wollen wir das Shanghai Museum besuchen, doch leider haben wir vor lauter, lauter vergessen, dass alle Museen montags geschlossen haben.

Daher entführt mich Joan in meinen ersten chinesischen Garten, den Yu-Garden. Auf dem Weg dorthin besuchen wir eine klassische Oldtown Market Street, welche genauso aussieht und sich anfühlt wie man es aus Filmen und dem klassischen Chinatown kennt.

Doch der Garten wird noch besser! Ich bin einfach überwältigt. Chinesische Gärten erinnern eher an aneinandergereihte Atrien, wie man sie eher aus dem römischen Reich kennt. Gewundene steinerne Pfade führen entlang an liebevoll angelegten Beeten mit Bäumen, Steinen und Blumen. Trotz das es Januar ist, wirkt alles so bunt und lebendig.

In jedem Atrium befindet sich außerdem ein kleines Gebäude, nur ein Raum mit Fenstern oder sogar Türen an allen Seiten. Darin befinden sich klassische chinesische Möbel und man kann sich ein Bild davon machen, wie die Eigentümer der Gärten – ausnahmslos die reichsten und einflussreichsten Menschen ihrer Zeit, die Nachmittage dort mit der Familie oder Gästen, bei Tee und Essen verbracht haben, einfach nur die Schönheit ihres Gartens zu genießen.

Das Wetter verschlechtert sich zusehends und als ein etwas stärkerer Regen einsetzt, machen wir uns auf den Weg zu der nächsten Location, dem Oriental Pearl Tower.

Hier gibt es ein riesiges Einkaufszentrum und wie in China üblich, besteht dieses zu 50% aus Restaurants. Wir essen lecker zu Mittag und haben einen schönen Blick auf The Bund, welcher bei Tage zwar schön, aber im Gegensatz zum Anblick bei Nacht sehr trist wirkt.

China 2019 – Tag 2 (27.01.19)

Blick in die Wohnsiedlung von unserem Wohnzimmer aus.

Nach einem traditionellen Frühstück, welches der Schwager meiner Freundin bereitet (er ist ein super Koch – von Beruf Polizist), starten wir in die Stadt.

Leider muss der Schwager uns schon wieder verlassen, da er arbeiten muss. Der nächste Kulturschock der mich trifft: Es ist in China gerade bei der älteren Generation üblich, von Zeit zu Zeit die Nase aus dem tiefsten Inneren hochzuziehen und auf die Straße zu spucken. Allerdings werde ich in Zukunft auch sehr viele Leute sehen, die in den Mülleimer spucken. Das Geschlecht spielt hierbei keine Rolle.

Auf dem Weg zur U-Bahn kommen wir über einen schmalen Kanal. Hier werden anscheinend Wasserpflanzen gezüchtet. Rings herum ist Baustelle.

Wir besuchen den traditionellen Hochzeitsmarkt, der in einem Stadtpark von Shanghai stattfindet. Viele Eltern und Großeltern stehen hier und bewerben mit Steckbriefen ihre Kinder / Enkel. Da die junge Generation aufgrund von Studium und viel Arbeit keine Zeit für die Partnersuche hat, erledigen dies die (Groß)Eltern. Auch interessierte junge Damen oder Herren, machen von Zeit zu Zeit ein Foto von dem ein oder anderen Steckbrief. Tatsächlich ist es den Menschen aber unangenehm von Außenstehenden beobachtet zu werden, als ich meine Kamera zücke, hält mir eine Großmutter einen Regenschirm vor die Linse „No Photos!“ Ich muss subtiler vorgehen!

In der Zwischenzeit sind noch einige Angehörige einer ethnischen Minderheit im Park zusammengekommen und tanzen in traditioneller Kleidung zu traditioneller Musik. Alles in allem bin ich einfach überwältigt. Unter anderem wegen „so many people“, aber auch weil das Ganze Leben auf den Straßen so bunt ist.

Die U-Bahnen sind zum Teil so gestopft voll, dass man keine Angst haben muss umzufallen, wenn der Zug losfährt. Auch die Sicherheit in Shanghai, so wie auch in den restlichen großen Städten ist vorbildlich. An wirklich jeder Straßenecke steht ein Polizist und hat ein waches Auge auf das Umfeld, bzw. gibt auch gerne Auskunft, wenn man ihn nach etwas fragt.

Die Polizei ist in den großen Städten überall präsent. Ich hatte nie ein unangenehmes Gefühl. Ganz im Gegenteil.

Was man auch sagen muss, Shanghai, wie auch die Chinesen selbst (abgesehen von der Spuckerei einzelner) sind sehr saubere Menschen. In der Stadt sieht man tagsüber an jeder Ecke, bei jedem Wetter irgendwo einen Straßenfeger arbeiten. Es liegt kein Abfall herum und ungelogen alle 5m steht ein Mülleimer. Fun fact: Der Mülleimer im chinesischen Haushalt wird ähnlich wie „Zeitung“ ausgesprochen.

Wir essen in einem richtig klassischen Restaurant, wo sich nur Einheimische einfinden. In China passiert es gerade bei den richtig guten Restaurants häufig, dass man warten muss. Wir ziehen eine Nummer und nehmen im Wartebereich platz.

Hier esse ich meinen ersten Dumpling, wir haben dazu ein wunderbares Tofu Gericht, Fleisch, Gemüse, Reis, einfach herrlich. Das Essen mit all seinen Gerichten kostet für uns Zwei keine 100 Yuan. Außerdem gibt es Tee umsonst. Gesessen wird traditionell auf schmalen Bänken, für die Garderobe stehen aus Bambus geflochtene Körbe unter dem Tisch. So hat man seine Sachen immer bei sich und aus dem Weg, schlau diese Chinesen!

„Nach dem Essen sollst du ruh’n, oder tausend Schritte tun!“ Getreu nach diesem Motto verlassen wir das Restaurant (die nächsten Gäste warten schon!) und spazieren noch ein wenig durch den Park.

Im Bereich um das Museum ist alles bereits für das Spring Festival geschmückt. Außerdem mögen die Chinesen Tauben nicht nur zum Essen, nein hier werden sie sogar gefüttert und beobachtet. Für mich ein komischer Anblick!

Wir besuchen ein unterirdisches Einkaufszentrum. Was auf den ersten Blick wie ein Kellereingang wirkt, führt uns in ein riesiges Areal, gleich einer U-Bahn-Station. Hier werden Waren aller Art, vornehmlich Mode, angeboten. Es gibt hier Massagestühle. Man setzt sich hinein, bezahlt mit dem Handy einen geringen Betrag und los geht die wilde Reise (der Stuhl hat sogar einen USB Power Outlet) – das Teil geht mit meinem Körper derart ins Gericht, dass jeder deutsche TÜV Tränen in die Augen bekäme. Mein Rücken fühlt sich danach super an! Wir streifen noch ein wenig umher und machen uns dann auf den Rückweg (Es dauert in Shanghai immer mal so 1-2h um von A nach B zu kommen). Wir werden in den kommenden Tagen sehr viel Zeit in der U-Bahn verbringen…
Als wir nach Hause zurückkehren, haben die Eltern meiner Freundin bereits das Abendessen bereitet. Wir essen gemütlich und machen uns dann langsam bettfertig.